Viele Unterrichtsstunden enden mit einem vertrauten Bild: Die Lehrkraft fasst zusammen, die Lernenden schreiben mit. Damit ist die Stunde „abgeschlossen“.
Doch genau hier liegt ein entscheidender Punkt: Lernen passiert nicht durch das reine Abschreiben einer Zusammenfassung, sondern durch die aktive Verarbeitung von Inhalten. Erst wenn Lernende Wissen ordnen, abrufen, anwenden und sprachlich selbst formen, wird es langfristig verfügbar.
Die Sicherungsphase ist deshalb mehr als ein organisatorischer Abschluss. Sie ist ein zentraler Moment für nachhaltiges Lernen.
Warum Sicherung so wichtig ist
Sicherung unterstützt mehrere grundlegende Lernprozesse:
1. Gedächtnisaufbau durch Struktur
Das Gehirn speichert Inhalte besser, wenn sie geordnet und sinnvoll verknüpft sind. Unstrukturierte Informationen bleiben oft isoliert und schwer abrufbar.
2. Korrektur von Fehlvorstellungen
Viele „verstanden“-Momente sind noch nicht stabil. In der Sicherung wird sichtbar: Was ist fachlich korrekt? Was muss präzisiert werden?
3. Aufbau von Abrufbarkeit
Wissen wird erst dann wirklich verfügbar, wenn es aktiv erinnert wurde – nicht nur, wenn es gehört oder gesehen wurde.
4. Sprachliche Präzision
Lernende entwickeln fachliche Ausdrucksfähigkeit, indem sie Inhalte selbst formulieren.
Was eine gute Sicherung leistet
Eine gute Sicherung beantwortet NICHT nur die Frage:
„Was haben wir gemacht?“
sondern vielmehr: „Was davon bleibt wirklich im Kopf und in welcher Form?“
Man kann sich das wie Filter vorstellen:
Ohne Sicherung bleibt vieles unstrukturiert nebeneinander stehen – viele Einzelteile ohne klare Ordnung.
Mit guter Sicherung entstehen wenige, klare, vernetzte Kernaussagen.
Häufige Fehler in der Praxis
In vielen Stunden lassen sich wiederkehrende Muster beobachten:
Wenn die Lehrkraft alles zusammenfasst, bleiben die Lernenden passiv – genau die kognitive Verarbeitung, die lernen ermöglicht, findet kaum statt.
Auch reine Abschreibphasen („Wir schreiben das ins Heft“) wirken oft ruhig und strukturiert, führen aber selten zu tiefem Verständnis.
Problematisch ist außerdem eine unstrukturierte Sammlung vieler Beiträge ohne Ordnung. Das kann Lernende kognitiv überfordern und zentrale Inhalte verwässern.
Und nicht zuletzt wird die Sicherung häufig zur Restzeit der Stunde – und damit verkürzt oder ganz ausgelassen.
Drei universell wirksame Formen der Sicherung
1. Gemeinsame Strukturierung
Lernende bringen Inhalte ein, die Klasse ordnet gemeinsam.
Beispiele:
- Tafelbild gemeinsam strukturieren
- Cluster sortieren
- Tabellen ergänzen und vergleichen
- Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge herstellen
Hier entsteht Wissen nicht durch Konsum, sondern durch aktive Ordnung
2. Abruf-Sicherung
Lernende arbeiten ohne Unterlagen und rufen Wissen aktiv ab
Beispiele:
- Was waren heute die 3 wichtigsten Erkenntnisse?
- Erkläre das Thema in 2 Sätzen.
- Welche Begriffe musst du wirklich können?
- Was nehmt ihr heute mit?
- Was würdest du jemandem von heute mitgeben?
Diese Form gehört zu den wirksamsten Methoden für langfristiges Lernen.
3. Transfersicherung
Wissen wird stabil, wenn es angewendet, also in neue Zusammenhänge übertragen wird.
Beispiele:
- Wo begegnet dir das im Alltag?
- Welche neue Situation passt dazu?
- Wie sähe ein anderes Beispiel aus?
Transfer verhindert sogenanntes „träges Wissen“ – also Wissen, das zwar vorhanden ist, aber nicht angewendet werden kann.
Eine einfache Routine für den Unterrichtsalltag
Eine gute Sicherung muss nicht komplex sein. Häufig reicht eine klare Struktur:
Zunächst rufen die Lernenden zentrale Inhalte aktiv ab (z. B. 2–3 Minuten Notizen).
Anschließend werden die Ergebnisse gemeinsam geordnet oder verglichen (3–5 Minuten).
Danach folgt eine Verdichtung, etwa in Form eines Merksatzes.
Zum Abschluss wird der Transfer angestoßen: Wo könnte das noch relevant sein?
Wichtig bleibt: Diese Struktur ist ein Werkzeug, kein starres Schema. Gute Sicherung passt sich dem Inhalt und der Lerngruppe an.
Für dich: eine Checkliste zum Download
Checkliste für Referendare - Sicherungsphase im UnterrichtKlicke auf den Link und du bekommst eine Checkliste, die dir hilft , die Sicherung im Unterricht nicht als „Restzeit“ zu behandeln, sondern als zentrale Lernphase bewusst zu planen und durchzuführen.

