Wenn ich heute noch einmal am ersten Tag meines Referendariats stehen würde, gäbe es einige Dinge, die ich meinem jüngeren Ich unbedingt mit auf den Weg geben würde.
Damals dachte ich, dass es im Referendariat vor allem darum geht, perfekten Unterricht zu zeigen. Heute weiß ich: Das Referendariat ist viel mehr ein Lernprozess als eine Bühne für Perfektion.
👉 Du musst nicht alles können.
Viele Referendarinnen und Referendare starten mit dem Anspruch, von Anfang an großartige Lehrkräfte sein zu müssen. Die Wahrheit ist: Niemand erwartet Perfektion. Du bist in der Ausbildung. Fehler gehören dazu. Und oft lernst du aus einer misslungenen Stunde mehr als aus einer gelungenen.
Vergleiche dich nicht ständig mit anderen.
Im Lehrerzimmer oder im Seminar scheint es manchmal, als hätten alle anderen ihre Klassen im Griff, perfekte Materialien und kreative Unterrichtsideen. Die Realität sieht meist anders aus. Jeder kämpft mit seinen eigenen Baustellen. Der Vergleich kostet Energie, die du viel sinnvoller für deine eigene Entwicklung nutzen kannst. Aber es schadet nicht, aus den Fehlern der Kollegen zu lernen.
Nicht jede Unterrichtsstunde muss ein Feuerwerk sein.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich: Guter Unterricht ist nicht automatisch spektakulärer Unterricht. Lernwirksame Stunden bestehen häufig aus klaren Strukturen, guten Erklärungen und sinnvollen Übungen. Die aufwendigste Methode gewinnt nicht automatisch gegen die einfachste.
Feedback ist kein Angriff.
Besuche, Unterrichtsnachbesprechungen und Kritikgespräche können anstrengend sein. Besonders am Anfang fühlt sich jede Rückmeldung sehr persönlich an. Mit der Zeit habe ich gelernt: Feedback bewertet nicht mich als Person, sondern meinen Unterricht. Diese Unterscheidung macht vieles leichter.
Plane Pausen genauso konsequent wie Unterricht.
Davon spricht am Anfang kaum jemand. Viele Referendare arbeiten sieben Tage die Woche und versuchen, jede Stunde bis ins letzte Detail zu perfektionieren. Auf Dauer funktioniert das nicht. Wer dauerhaft gute Arbeit leisten möchte, braucht Erholung ohne schlechtes Gewissen.
Es wird leichter.
Vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt. Es gibt Phasen, in denen sich das Referendariat überwältigend anfühlt. Unterricht planen, Hospitationen, Seminaraufgaben, Korrekturen und Prüfungen kommen gleichzeitig. Aber mit jeder Woche wächst die Routine. Dinge, die heute noch Stunden dauern, erledigst du in einigen Monaten deutlich schneller.
Mein Fazit:
Das Referendariat ist kein Test, den man bestehen muss, sondern eine Ausbildung, in der man wachsen darf und soll. Das ist es auch was die Studienleiter und Mentoren sehen wollen. Wer akzeptiert, dass Entwicklung wichtiger ist als Perfektion, nimmt sich selbst viel Druck und kann die Zeit deutlich entspannter erleben.
Welche Erkenntnis hättest du selbst gern schon am ersten Tag deines Referendariats gekannt? Schreib es in die Kommentare!

