Was ich gern bereits zu Beginn des Referendariats gewusst hätte

Wenn ich heute noch einmal am ersten Tag meines Referendariats stehen würde, gäbe es einige Dinge, die ich meinem jüngeren Ich unbedingt mit auf den Weg geben würde.

Damals dachte ich, dass es im Referendariat vor allem darum geht, sehr guten bis perfekten Unterricht zu zeigen. Jede Stunde sollte möglichst kreativ, methodisch abwechslungsreich und fehlerfrei sein. Heute weiß ich: Das Referendariat ist keine Bühne für Perfektion, sondern eine Zeit des Lernens und der persönlichen Entwicklung.
Die Wahrheit ist: Niemand erwartet Perfektion. Du bist in der Ausbildung. Fehler gehören dazu. Und oft lernst du aus einer misslungenen Stunde mehr als aus einer gelungenen.

Dinge, die ich damals gerne gewusst hätte.

1. Du musst nicht alles können

Viele Referendarinnen und Referendare starten mit dem Anspruch, von Anfang an gute Lehrkräfte sein zu müssen. Doch genau dafür ist das Referendariat da: um zu lernen. Niemand erwartet, dass du bereits alles beherrschst. Fehler gehören dazu. Oft lernst du aus einer misslungenen Stunde sogar mehr als aus einer, die scheinbar perfekt gelaufen ist. Entscheidend ist nicht, dass alles funktioniert, sondern dass du bereit bist, aus deinen Erfahrungen zu lernen.

2. Vergleiche dich nicht ständig mit anderen.

Im Lehrerzimmer oder im Seminar scheint es manchmal, als hätten alle anderen ihre Klassen im Griff, perfekte Materialien und kreative Unterrichtsideen. Gerade unter Referendaren kann die Materialschlacht auch mal ausarten.

Die Realität sieht jedoch meist anders aus. Jeder kämpft mit seinen eigenen Baustellen, hat Unsicherheiten und Herausforderungen – nur werden diese oft nicht sichtbar. Der Vergleich kostet Energie, die du viel sinnvoller für deine eigene Entwicklung nutzen kannst. Gleichzeitig lohnt es sich aber, offen für die Erfahrungen anderer zu sein. Man muss schließlich nicht jeden Fehler selbst machen.

3. Nicht jede Unterrichtsstunde muss ein Feuerwerk sein.

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war, dass guter Unterricht nicht automatisch spektakulärer Unterricht ist.

Schülerinnen und Schüler profitieren oft mehr von klaren Strukturen, verständlichen Erklärungen und sinnvollen Übungsphasen als von der ausgefallensten Methode. Nicht jede Stunde braucht den großen Wow-Effekt. Häufig sind die einfachen, gut durchdachten Stunden die nachhaltigsten.

4. Feedback ist kein Angriff.

Unterrichtsbesuche und Nachbesprechungen können belastend sein. Gerade am Anfang fühlt sich Kritik schnell persönlich an.

Mit der Zeit habe ich gelernt, zwischen meiner Person und meinem Unterricht zu unterscheiden. Feedback richtet sich an mein professionelles Handeln – nicht an meinen Wert als Mensch. Diese Perspektive macht Rückmeldungen deutlich leichter anzunehmen und hilft dabei, sich gezielt weiterzuentwickeln.

5. Plane Pausen genauso konsequent wie Unterricht.

Über dieses Thema wird viel zu wenig gesprochen.

Viele Referendarinnen und Referendare arbeiten sieben Tage die Woche und versuchen, jede Unterrichtsstunde bis ins kleinste Detail zu perfektionieren. Kurzfristig mag das funktionieren, langfristig jedoch nicht.

Wer dauerhaft gute Arbeit leisten möchte, braucht Erholung – und zwar ohne schlechtes Gewissen. Pausen sind kein Zeichen von Faulheit, sondern eine Voraussetzung dafür, leistungsfähig zu bleiben.

6. Es wird leichter.

Vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt: Es gibt Phasen, in denen sich das Referendariat überwältigend anfühlt. Unterricht planen, Hospitationen, Seminaraufgaben, Korrekturen und Prüfungen kommen gleichzeitig. Aber mit jeder Woche wächst die Routine. Dinge, die heute noch Stunden dauern, erledigst du in einigen Monaten deutlich schneller.

Du wirst sicherer werden – Schritt für Schritt.

Mein Fazit:

Das Referendariat ist kein Test, bei dem man beweisen muss, dass man bereits eine perfekte Lehrkraft ist. Es ist eine Ausbildungsphase, in der du wachsen, ausprobieren und dazulernen sollst.

Auch Ausbilderinnen, Ausbilder, Mentorinnen und Mentoren wissen, dass Entwicklung wichtiger ist als Perfektion. Sie achten nicht nur darauf, was bereits gelingt, sondern auch darauf, wie du mit Herausforderungen umgehst und ob du bereit bist, aus Erfahrungen zu lernen.

Wer akzeptiert, dass Entwicklung wichtiger ist als Perfektion, nimmt sich selbst viel Druck – und kann das Referendariat mit deutlich mehr Gelassenheit erleben.

Und jetzt interessiert mich deine Erfahrung:

Welche Erkenntnis hättest du selbst gerne schon am ersten Tag deines Referendariats gekannt? Schreib sie gerne in die Kommentare – vielleicht hilft dein Tipp genau der Person, die gerade erst startet.


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