Bei Unterrichtsbesuchen, egal ob vom Mentor, der Studien- oder Fachleitung tauchen immer wieder die gleichen Kritikpunkte auf. Ich habe diese einmal zusammengetragen. Das Beste daran ist, dass sich diese Kritikpunkte sich mit klaren Strukturen und ein paar einfachen Routinen gezielt vermeiden lassen.

1. Unklare Lernziele („Worum geht es in der Stunde“)
Kritik:
Die Lernenden wissen nicht genau, worauf die Stunde hinausläuft oder was sie am Ende können sollen. Ein transparentes Lernziel gibt Orientierung und ermöglicht es den Lernenden, ihren eigenen Lernfortschritt einzuschätzen. Gleichzeitig schafft es einen roten Faden für die gesamte Stunde.
Siehe hierzu auch den Beitrag: gute Lernziele formulieren
Do:
- Formuliere am Anfang klar das Lernziel (schülergerecht!)
- Stelle einen Bezug zur Unterichtsreihe her (Klafki hilft!)
- Greife das Lernziel am Ende der Stunde erneut auf und überprüfe gemeinsam mit den Lernenden, ob es erreicht wurde. („Haben wir das Ziel erreicht?“)
Don’t:
- Nur Themenüberschrift an die Tafel schreiben
- Ziel im Unterricht „verstecken“
Beispiel:
- Nicht gut: „Wir besprechen heute die Proteinbiosynthese.“
- Besser: „Ich kann die Abläufe bei der Translation und Transkription beschreiben.“
2. Zu viel Lehrerzentrierung
Kritik:
Lehrkraft spricht zu lange, Lernende sind passiv. Längere Lehrkraftphasen lassen den Lernenden wenig Raum, eigene Gedanken zu entwickeln oder Inhalte aktiv zu verarbeiten.
Natürlich braucht guter Unterricht auch Erklärungen. Entscheidend ist jedoch, dass diese den Lernprozess unterstützen und regelmäßig durch Phasen aktiver Auseinandersetzung ergänzt werden.
Do:
- Plane kurze, klar strukturierte Inputs (max. 10-15 Minuten)
- Nutze aktivierende Methoden, damit die Lernenden selsbt denken, erschließen, diskutieren oder anwenden (z. B. Partnerarbeit, Think-Pair-Share)
- Lernendenproduktion einbauen
Dont’t:
- Lange Erklärmonologe ohne Beteiligung der Lernenden.
- Alle Lösungswege selbst vormachen
Beispiel:
Statt 15-minütiger Erklärung: kurze Einführung > Arbeitsauftrag > Zwischenaustausch im Partnerarbeit > gemeinsame Auswertung
3. Geringe Lernendenaktivierung
Kritik:
Nur wenige Lernende melden sich und beteiligen sich aktiv am Unterricht.
Do:
- Nutze Methoden wie Think-Pair-Share.
- Plane Zufallsabfragen oder digitale Abstimmungen ein.
- Gib nach Fragen ausreichend Denkzeit. (Stille aushalten!)
Don’t:
- Immer dieselben Lernenden aufrufen.
- Fragen stellen und unmittelbar selbst beantworten
4. Unklare Arbeitsaufträge
Kritik:
Lernende wissen nicht genau, was sie tun sollen.
Do:
- Formuliere Aufträge schriftlich und mündlich.
- Strukturiere komplexe Aufgaben in einzelne Schritte.
- Zeige gegebenenfalls ein Beispiel.
Don’t:
- „Bearbeitet Aufgabe 3.“
- Mehrere neue Anforderungen gleichzeitig formulieren.
Beispiel:
Sage also nicht „Analysiert den Text zur Transkription“, sondern: „Markiert 3 zentrale Aussagen, notiert sie in
Stichpunkten und vergleicht sie mit eurem Partner.“
5. Fehlende Sicherungsphase
Kritik:
Viele Unterrichtsstunden enden mit einem schnellen Hefteintrag oder einer Zusammenfassung durch die Lehrkraft. Dabei ist gerade die Sicherung entscheidend für nachhaltiges Lernen.
Lernende behalten Inhalte besser, wenn sie diese selbst strukturieren, formulieren und auf das Lernziel beziehen
Siehe hierzu auch den Beitrag zur gelungenen Sicherungsphase.
Do:
- Ergebnisse sichtbar sichern (Tafel, Plakat, digitales Tool).
- Lass Lernende zentrale Erkenntnisse formulieren.
- Stelle den Bezug zum Lernziel wieder her.
Don’t:
- Die Stunde einfach auslaufen lassen.
- Ergebnisse lediglich sammeln, ohne sie gemeinsam auszuwerten.
- Als Lehrkraft selbst schnell zusammenfassen.
gutes Beispiel:
„Welche 3 Erkenntnisse nehmen wir mit und arum sind sie wichtig?“ — Lernende formulieren selbst
6. Zeitmanagementprobleme
Kritik:
Aufgabe nicht fertig, die Stunde endet gehetzt oder wichtige Phasen fallen weg.
Do:
- Plane lieber weniger Inhalte und bearbeite diese gründlich.
- Berücksichtige Zeitpuffer.
- Gib den einzelnen Unterrichtsphasen einen realistischen Zeitrahmen
Dont’t:
- Zu viele Methoden oder Inhalte in einer Stunde unterbringen.
- Kurz vor Stundenende noch neue Aufgaben beginnen
Beispiel:
Nur 3 klare Phasen: Einstieg – Erarbeitung – Sicherung (mit Zeitangaben)
7. Fehlende Differenzierung
Kritik:
Alle bearbeiten dieselbe Aufgabe, obwohl unterschiedliche Lernvoraussetzungen erkennbar sind.
Differenzierung bedeutet nicht zwangsläufig unterschiedliche Arbeitsblätter. Oft reichen bereits abgestufte Hilfen oder weiterführende Aufgaben.
Do:
- Biete Aufgaben in Niveaustufen an (z.B. Hilfekarten oder Satzstarter).
- Ergänze Aufgaben durch Wahlafgaben oder Vertiefungsangebote.
- Ermögliche unterschiedliche Lösungswege.
Don’t:
- „One-size-fits-all“-Aufgaben ohne Unterstützung oder Herausforderung
Beispiel:
Basisaufgabe + Plusaufgabe („für Schnelle“)
8. Unpräzise oder unangemessene Fachsprache
Kritik:
Die Sprache ist entweder unnötig kompliziert oder zu umgangssprachlich.
Gerade Fachsprache muss systematisch aufgebaut werden. Klare Formulierungen und Visualisierungen helfen den Lernenden, fachliche Begriffe sicher zu verwenden.
Do:
- Fachbegriffe bewusst einführen und konsequent nutzen.
- Erkläre neue Begriffe verständlich.
- Unterstütze Erklärungen durch Skizzen oder Modelle
Don’t:
- Unpräzise Formulierungen wie „das Ding da“ oder „irgendwie“.
- Lange Erklärungen mit vielen neuen Begriffen gleichzeitig.
Fazit:
Fazit
Die meisten Rückmeldungen in Unterrichtsbesuchen beziehen sich nicht auf spektakuläre Methoden oder außergewöhnliche Unterrichtsideen. Häufig geht es um grundlegende Merkmale guten Unterrichts:
- ein transparentes Lernziel,
- klare Arbeitsaufträge,
- aktive Beteiligung möglichst vieler Lernender,
- eine bewusste Ergebnissicherung (Tafel & Heft),
- eine realistische Zeitplanung und
- einen klaren roten Faden.
Dabei gilt: Wer sein Stundenziel transparent macht, Lernende aktiv einbindet, Arbeitsaufträge eindeutig formuliert und bewusst Phasen der Sicherung einplant, wirkt nicht nur professioneller, sondern schafft vor allem echten Lernraum für die Lernenden.
Oft sind es gerade kleine Veränderungen – eine präzisere Aufgabenstellung, eine zusätzliche Denkpause oder eine bewusst gestaltete Sicherungsphase –, die den größten Unterschied machen.
Welche Rückmeldung begegnet dir in Unterrichtsbesuchen am häufigsten? Welche Strategien haben dir geholfen?
Ich freue mich auf deine Erfahrungen und Anregungen in den Kommentaren.
Update:
Dieser Beitrag wurde im Juni 2026 optisch und inhaltlich leicht überarbeitet und um ein KI-generiertes Titelbild ergänzt.

