Das Referendariat gehört zu den intensivsten Phasen der Lehramtsausbildung. Unterricht planen, Materialien erstellen, Unterrichtsbesuche vorbereiten, Klassenarbeiten und Tests konzipieren und auswerten und gleichzeitig den eigenen Unterricht reflektieren – all das erfordert ein hohes Maß an Organisation und Zeitmanagement.
Künstliche Intelligenz (KI) kann Referendarinnen und Referendare dabei wirkungsvoll unterstützen. Richtig eingesetzt spart sie Zeit, liefert kreative Impulse und erleichtert viele Routineaufgaben.
KI ersetzt jedoch weder didaktische Kompetenz noch pädagogisches Urteilsvermögen.
Warum KI gerade im Referendariat hilfreich ist
Viele Aufgaben im Referendariat folgen wiederkehrenden Mustern. Genau hier liegen die Stärken moderner KI-Systeme. Sie können beispielsweise dabei unterstützen,
- Unterrichtsreihen zu strukturieren,
- Unterrichtsstunden zu planen,
- Arbeitsblätter zu erstellen,
- Aufgaben zu differenzieren,
- Tafelbilder oder Präsentationen vorzubereiten,
- Feedback zu Formulierungen zu geben,
- Klausuren und Tests zu entwerfen,
- Elternbriefe oder Informationsschreiben zu formulieren.
Dadurch bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: die Gestaltung guten Unterrichts.
Typische Einsatzbereiche von KI im Referendariat
1. Unterricht planen
KI eignet sich hervorragend als Ideengeber für Unterrichtseinstiege, Methoden oder Sicherungsphasen. Statt bei Null zu beginnen, erhalten Referendarinnen und Referendare erste Entwürfe, die sie fachlich und didaktisch weiterentwickeln können. Hier unterschieden sich auch die KI in bezug auf die Qualiät des Ergebnisses. Mal gibt es nur einen kurzen Hinweis, mal einen kompletten Langentwurf inkl. Methodischen und didaktischen Überlegungen und Stundenverlaufsplan in Tabellenform.
2. Unterrichtsmaterialien erstellen
Ob Arbeitsblätter, Lückentexte, Rollenkarten oder Gruppenaufgaben – KI kann innerhalb weniger Sekunden erste Materialien erstellen, die anschließend an die Lerngruppe angepasst werden.
3. Differenzierung erleichtern
Heterogene Lerngruppen gehören heute zum Schulalltag. KI kann Aufgaben auf unterschiedlichen Niveaustufen formulieren, sprachlich vereinfachen oder zusätzliche Förderaufgaben entwickeln. Das spart gerade im Referendariat viel Zeit.
4. Unterricht reflektieren
Auch nach dem Unterricht kann KI unterstützen. Beispielsweise können eigene Unterrichtsverläufe anonymisiert hochgeladen und analysiert werden und anschließend mögliche Verbesserungen diskutiert werden. Die KI liefert dabei Denkanstöße, ersetzt aber keine professionelle Beratung durch Mentorinnen, Mentoren oder Fachleitungen.
Welche KI-Tools eignen sich?
ChatGPT
Ein vielseitiger Allrounder für Unterrichtsplanung, Materialentwicklung, Ideenfindung und Formulierungshilfen.
Claude
Besonders geeignet für umfangreiche Dokumente, Unterrichtsentwürfe und strukturierte Rückmeldungen.
Update (Juni 2026): Nach dem die US-Regierung MItte Juni 2026 einige Funktionen (u.a. Claude Fable 5) wegen Sicherheitsbedenken hat abschalten lassen, hat, meiner Meinung nach, die Qualität der Ergebnisse spürbar gelitten.
Gemini oder MS Copilot
Hilfreich für Recherche, Materialauswertung und die Entwicklung verschiedener Unterrichtsideen.
Fobizz
Speziell für den Bildungsbereich entwickelte Plattform mit datenschutzfreundlichen KI-Werkzeugen und zahlreichen Fortbildungsangeboten.
Gute Prompts führen zu besseren Ergebnissen
Je genauer die Anfrage formuliert wird, desto hilfreicher sind die Antworten. Ein guter Prompt enthält beispielsweise:
- Fach
- Klassenstufe
- Unterrichtsthema
- Lernziele
- Zeitumfang
- gewünschte Methoden
- Kompetenzbereiche
- Differenzierungswünsche
So entstehen deutlich passgenauere Unterrichtsideen.
Wo KI an ihre Grenzen stößt
KI kennt weder Ihre Lerngruppe noch die Unterrichtsatmosphäre oder schulische Besonderheiten. Deshalb sollten alle Ergebnisse kritisch geprüft werden:
- Sind die Inhalte fachlich korrekt?
- Passt die Methode zur Lerngruppe?
- Werden Bildungsstandards eingehalten?
- Ist die Sprache altersgerecht?
KI unterstützt die Unterrichtsvorbereitung – die Verantwortung bleibt immer bei der Lehrkraft.
Datenschutz beachten
Im Schulalltag gilt grundsätzlich:
- keine personenbezogenen Daten eingeben,
- keine Schülerarbeiten ungeprüft hochladen, (Handschriften und Namen sind personenbezogene Daten, die nicht hochgeladen werden dürfen!)
- schulische Datenschutzvorgaben beachten,
- möglichst datenschutzkonforme Angebote verwenden.
Fazit
KI kann das Referendariat deutlich erleichtern. Wer sie als kreativen Assistenten versteht und ihre Ergebnisse kritisch prüft, spart Zeit, gewinnt neue Ideen und kann sich stärker auf guten Unterricht konzentrieren. Der größte Mehrwert entsteht nicht durch automatisiertes Arbeiten, sondern durch die sinnvolle Verbindung aus pädagogischer Expertise und intelligenter Technologie.

