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Weißstorch (Ciconia ciconia)

Verbreitung

Der Weißstorch ist mit Sicherheit die bekannteste Storchenart überhaupt, so kommt der Weißstorch als Storch in vielen Fabeln, Sagen und Märchen vor.

Weißstorch

Weißstorch

Waren sie früher in ganz Europa vertreten, so hat sich ihr Bestand allgemein verringert. Am stärksten haben die Bestände in Westdeutschland, Frankreich, den Niederlanden und in der Schweiz abgenommen. Während bei einer Bestandsaufnahme 1934 noch 9035 Brutpaare westlich der Oder-Neiße-Linie gezählt wurden, brüteten 1958 im selben Untersuchungsgebiet nur noch 4567 Storchenpaare, 1980 hatte der Bestand mit etwa 3000 Arten seinen Tiefststand erreicht. Ursachen hierfür sind bauliche Maßnamen wie beispielsweise Hochspannungsleitungen, immer häufiger fehlende Nistmöglichkeiten, sowie die zunehmende Trockenlegung von bislang ungenutzten Feuchtgebieten und damit die starke Reduzierung des Nahrungsangebotes. Weitere Gründe sind beispielsweise die Jagd auf die Störche in den Überflugsgebieten (ohne die der Vogelzug nicht 1822 bewiesen worden wäre → siehe „Pfeilstorch“), sowie Dürreperioden in den Überwinterungsgebieten. Storchenreiche Länder sind heute vor allem Spanien, das östliche Deutschland und die Länder Osteuropas.

Lebensraum

In Europa bevorzugt der Weißstorch hauptsächlich feuchte (Fluss-) Niederungen mit Wiesen und Teichen sowie offenes Gelände mit Wiesen, Sümpfen und anderen Feuchtgebieten. Einzelstehende Baume, Telefon-, Strommasten und Auwälder werden als Brutplätze bevorzugt.

Ernährung

Weißstorch

Weißstorch

Der Weißstorch ernährt sich ausschließlich von Kleintieren wie Würmern, Fröschen, Mäusen, großen Insekten, kleinen Fischen oder auch Jungvögeln Störche schreiten auf der Suche nach Beute durch Wiesen und Sumpfland um dann blitzartig mit dem Schnabel auf seine Beute herabzustoßen.

Körperbau

Federfarbe: Weiß

Schwungfedern: Schwarz

Langer Roter Schnabel, und ebensolche Beine

Größe: ca. 1-1,1 m

Fortpflanzung

Je nach Brutgebiet kehren mitteleuropäische Weißstörche Ende Februar bis Anfang April zu ihren vorjährigen Nistrevieren zurück. Sie führen eine monogame Saisonehe. Die Nistplatztreue ist dabei vermutlich die Folge der Partnertreue. Das Nest wird von Männchen und Weibchen gemeinsam gebaut. Völlig neu errichtete Nester haben einen Durchmesser von etwa 0,8 m und werden im Laufe der Jahre immer weiter durch Ausbesserungsarbeiten vergrößert.

Legebeginn ist März bis Mai, wobei das Gelege aus 3-5 Eiern (selten auch mehr) besteht. Die Eier sind kalkweiß. Männchen und Weibchen bebrüten
die Eier etwa 30-35 Tage lang.

Während des ersten Lebensmonats werden die Jungen ständig von einem Altvogel bewacht, der das Nest erst verlässt, wenn der Partner wieder im Nest ist. Erst nach diesem ersten Monat gehen beide Altvögel gleichzeitig auf Nahrungssuche. Das Futter wird im Kehlsack zum Nest getragen und ausgewürgt. Bei Trockenheit wird auch Wasser im Schlund zum Nest gebracht. Nach etwa zwei Monaten werden die Nesthocker flügge , werden aber weitere 2-3 Wochen noch von den Eltern mit Nahrung versorgt. Erst nach etwa 2,5 Monaten werden die jungen Störche selbständig. Die Geschlechtsreife tritt mit etwa 3-5 Jahren ein. Erst zu diesem Zeitpunkt werden die Jungtiere wieder in die Nistgebiete zurückkehren. In der Zwischenzeit bleiben sie in den Überwinterungsgebieten. Das Durchschnittsalter von Störchen liegt bei etwa 8-10 Jahren.

Soziales

Störche sind Zugvögel und legen dabei jedes Jahr ab Mitte August zwischen ihren Nistplätzen in Europa und den Winterquartieren Strecken von mehr als 10.000 Kilometern zurück. Störche sind sehr gute Segler, während ihr Ruderflug recht „schwerfällig“ ist. Aufgrund dessen legen sie, bei guter Thermik, große Strecken segelnd zurück. Sie sind also auf gute Aufwinde angewiesen und meiden daher größere Strecken über offenes Wasser. Sie ziehen daher nicht auf dem direkten Weg über das Mittelmeer bzw. via Italien sondern fliegen als Westzieher über Gibraltar oder als Ostzieher über den Bosporus und Israel nach Mittel- und Südafrika.

Zu Beginn der Brutzeit trifft das Männchen zu erst am Nest vom Vorjahr ein, wobei das Nest heftig gegen Konkurrenten verteidigt wird und es auch zur Kopulation mit anderen Weibchen kommen kann. Das später eintreffende Weibchen wird mit Schnabelklappen begrüßt. Beide, Männchen und Weibchen bauen und reparieren
dann gemeinsam das Nest.

Historisches aus der Wissenschaft

der Rostocker Pfeilstorch

Pfeilstorch

Pfeilstorch

Am 21. Mai 1822 wurde von einem Strohdach auf Gut Bothmer bei Klütz (Kreis Nordwest-Mecklenburg) ein Weißstorch (Ciconia ciconia, Linnaeus 1758) erlegt, in dessen Hals ein 80 cm langer Pfeil aus dem zentralen Afrika steckte. Das Besondere an diesem Exemplar ist, dass mit ihm der alte Verdacht, dass „unsere“ Störche im Winter weit nach Süden, vielleicht sogar bis nach Afrika ziehen, endlich greifbar bewiesen wurde.

Der Rostocker Pfeilstorch leitete damit einen Paradigmenwechsel ein: Der Vogelzug war bewiesen und die speziell im 18. Jahrhundert blühenden und auch von berühmten Wissenschaftlern wie Carolus LINNAEUS (Carl von Linné) vertretenden Theorien über den Verbleib der Vögel während der Winterzeit (Winterschlaf am Grund der Ostsee, Verstecken von Vögeln im Winter, ihre Verwandlung in Mäuse, …) konnten aufgegeben werden. Und das lange bevor mit neueren Methoden (z. B. Beringung) der Vogelflug bis in Einzelheiten erforscht wurde.

Der Rostocker Pfeilstorch (Inv.-Nr.: ZSRO Av 674) blieb bis heute nicht allein: Mittlerweile sind etwa 25 Fälle bekannt geworden, in denen Weißstörche ganze Pfeile oder Bruchstücke aus Afrika nach Deutschland mitbrachten. Auch in anderen Vogelarten wurden Pfeile gefunden. Selbst heute noch werden Störche auf ihren Zugstraßen und im Winterquartier gejagt, allerdings mit moderneren Methoden, so dass sie, falls sie Überleben, Kugeln oder Schrote im Leib tragen.

Ein 1997 vom bekannten Präparator Berend Koch an der Technischen Universität Darmstadt angefertigtes Duplikat ziert heute nicht nur den Eingangsbereich sondern auch das Logo des Zoologischen Instituts der Universität Rostock.

Quellen

http://www.world-of-animals.de

http://www.natur-lexikon.com/Texte/SM/001/00011/SM00011.html

http://www.storchennest.de

http://www.biologie.de/biowiki/Wei%C3%9Fstorch

http://www.zoo-rostock.de/site/3_30_65_125/125/0.html

http://www.biologie.uni-rostock.de/zoologie/zoologie.html

Kinzelbach, Ragnar: Das Buch vom Pfeilstorch. Marburg (Lahn), 2005.

Kinzelbach, Ragnar; Schmitz, Norma; Bick, Andreas: Geschichte und Bestand der Vogelsammlung der Universität Rostock. In: Der Pfeilstorch. Schriftenreihe der Allgemeinen & Speziellen Zoologie und der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock. Schwerin, 1997.

Verschiedene Anmerkungen und Hinweise während zoologischer oder ornithologischer Vorlesungen oder bei den “Vorweisungen aus der Zoologischen Sammlung” von Prof. Kinzelbach.

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