Mikrobiologie - Fragen zum Vordiplom 2003 (Prof. Bahl)

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  1. 3 vollständige Bakteriennamen und deren Hauptmerkmale

      Clostridium tetani:
    • Wundstarrkrampf ? Tetanustoxin
    • anaerob
    • Sporenbildung
    • Gram positiv

      Escherichia coli:
    • u.a. Harnwegsinfektion
    • Gram negativ
    • Kokkoide, peritrich begeißelte Stäbchen
    • Indol positiv

      Pseudomonas aeruginosa:
    • Hospitalismuserreger, Blau-grüner Eiter
    • Obligat anaerob
    • Gram negativ
    • Schlankes begeißeltes Stäbchen
    • Indol negativ

  2. Unterschiede Prokarioten – Eukaryoten

    MerkmaleProkaryotenEukaryoten
    DNA in Ringformjanein
    membranumschlossener Zellkernfehltvorhanden
    Ribosomen70S80S
    Intronsneinja
    Plastidejaselten
    Cap-Strucktur und Polyadenylierung der mRNAneinja
    Denitrifikationjanein
    Stickstofffixierungjanein
    Wachstum über 80°Cjanein
    Gasvesikeljanein

  3. Unterschiede Prokarioten – Eukaryoten

    MerkmaleBacteriaArchaea
    PromotorPribnow-BoxTATA-Box
    Histonproteineneinja
    Membranlipideestergebundenethergebunden
    RNA-Polymerasen1mehrere (strukturell kompiluiert)
    Initiator-tRNAmodifizierter Methioninrestunmodifiziertes Methionin
    Methanogeneseneinja
    Nitrifikationjanein
    Chlorophyll-basierenede Photosynthesejanein
    Anfälligkeit für Chloramphenicol, Streptomycin und Kanamycinjanein
    Zellwand
  4. Peptidoglycan
  5. Muraminsäure
  6. Pseudopeptidoglycan, Polysaccharide, Proteine oder Glykoproteine
  7. keine Muraminsäure
  8. Membranlipide
  9. Verbindung von Glycerin und FS über Esterbindungen (Fettsäure linear)
  10. Lipiddoppelschicht
  11. Chiralität: zentrales C-Atom des Glycerinmoleküls: D-Form
  12. Verbindung von hydrophoben Fettsäure über Seitenketten und Glycerin über Etherbindung (keine Fettsäure)
  13. einige Arten einlagige Lipidschicht
  14. Chiralität: zentrales C-Atom des Glycerinmoleküls: L-Form
  15. 4 Wege der CO2-Fixierung

    • Calvin-Zyklus
    • Reverser Citratzyklus
    • Hydroxypropionat-Zyklus
    • Reduktiver Acetyl-CoA-Weg
    • (bei thermophilen ? reduktiver Tricarbonsäure-Zyklus)

  16. Ist die Wachstumsrate µ eine Konstante?

    Die Wachstumsrate ist keine Konstante, da sie stark durch physikalische und chemische Bedingungen beeinflusst wird. (Temperatur, pH-Wert, Wasser- und Sauerstoffverfügbarkeit,...)

  17. Wie sehen Plaques aus, wenn das Virus kein IS hat?

    Das IS-Element ist eine Insertionssequenz ( Transponierbare Elemente), die durch das Genom springt und in dem verlassenen Bereichen 15 oder 25 Bp lange Sequenzen zurücklässt, wodurch eine Leserasterverschiebung (25bp) eintreten kann. Dadurch kommt es zu Mutationen der Viren.

    Viren ohne IS-Elemente haben eine geringere Wahrscheinlichkeit zu Mutieren.

  18. Bakterienwachstum auf Acetat?

    Acetat CH3-COOH wird über ATP-Bildung und Zwischenstufen wie Acetyl-CoA zu C6-Körper, wie z.B. Zucker, Zuckeralkohole

  19. Wachstumsphase einer Bakterienkultur?

    Besteht aus 4 Phasen (lag-Phase, exponentielle Phase, stationäre Phase, absterbende Phase)
    Lag-Phase (= Anlaufphase, Gewöhnungsphase des Bakteriums an das neue Medium) spezifsche Wachstumsrate: µ
    µ ist substrat- und organismenspezifich, beeinflusst durch das Milieu
    Berechnung: Anstieg des Logarithmus der Zellmasse zwischen 2 Punkten
    Formel: µ = ln2 / td = 0,693 h-1
    td = Verdopplungszeit = ln2 / µ
    Die Wachstumsrate ist keine Konstante.

  20. 3 Abbauwege von Pyruvat?

    a) in Anwesenheit von O2: Pyruvatdehydrogenase decarboxyliert Pyruvat zu Acetyl-CoA und CO2
    b) in Abwesenheit von O2:
         1) Pyruvat-Feredoxin-Oxidoreductase decarboxyliert Pyruvat zu Acetyl-CoA und CO2
         2) Pyruvat-Formiat-Lyase spaltet Pyruvat zu Fromiat und CO2
         3) Pyruvatdecarbaoylase decarboxyliert Pyruvat zu Acetaldehyd
         4) 2-Acetyllactat-Synthase bildet aus 2 Pyruvat 2-Acetyllactat und CO2
    → allgemeine Gärung /Fermentation

  21. Virusunterteilung in 4 Klassen

    1) DNA-Vieren
         a) Einzelstrang-DNA-Viren (ss-DNA-Viren)
         b) Dopplestrang-DNA-Viren (ds-DNA-Viren)

    2) RNA-Viren
         a) Einzelstrang-DNA-Viren (ss-RNA-Viren) => Retroviren
              aa) -ss-RNA-Viren
              bb) +ss-RNA-Viren
         b) Dopplestrang-DNA-Viren (ds-RNA-Viren)

    Phagen sind Viren, die sich in Prokaryoten vermehren

  22. Warum war die Entdeckung von Endosporen so wichtig?

      Eigenschaften von Endoproen:
    • hohe Hitzeresitenz
    • überdauern jahrzehntelange Austrocknung
    • resistent gegen Strahlung und chemische Desinfektionsmittel
    • Endospore keimt indem sie sich in eine vegetative Zelle umwandelt
    • Dipicolinsäure ist für Endosporen charakteristisch

      Abtöten:
    • bei 120° nach 15 Minuten bei hohem Druck und Feuchte (Dampfsterilisation / Autoklavieren)
    • bei trockener Hitze ab 180°C und 3 Stunden (fraktionierte Sterilisation)

      Aufbau von innen nach außen:
    • Core (Kern) mit Nukleotid (enthält Ribosomen und DNA)
    • um den Core liegt der Cortex (Rinde aus locker, quervernetzten Peptidogycanen)
    • Corewand (bildet Zellwand)
    • Sporenhülle (sporenspezifischen Proteinen)
    • Exosporium (dünne, zarte Proteinhülle)

  23. Nennen Sie zwei Bakteriengattungen, die Endosporen bilden!

    • Bacillus, Clostridium bilden hitzeresistente Endosporen
    • Heliobacterium, Desulfotomaculum, Sporosarcina, Spiroplasmen, Mycoplasmen

  24. Unterschiede vegetative Zelle und Spore

     Endosporevegetative Zelle
    Strukturdicker Sporencortex
    Sporenhülle
    typisch grampositive Zelle
    wenig grampositive Zelle
    Mikroskopisches Aussehenlichtbrechendnicht lichtbrechend
    Calciumgehalthochniedrig
    Dipcolinsäurevorhandenfehlt
    Enzymat. Aktivitätgeringestarke
    Stoffwechselaktivitätgeringestarke
    Makromolekularsynthesefehltvorhanden
    mRNAwenig/fehltvorhanden
    Hitzeresistenzhohegeringe
    Strahlungsresistenzhohegeringe
    Chemikalienresistenzhohegeringe
    Färbbarkeitnur mit spez. Methodeneinfacher
    Wassergehaltniedrig (10-25 %)hoch (80-90 %)

  25. Leguminosenvorteil

    • Leguminosen (Fabaceae) assoziierte Bakterien sind Rhizobien (Knöllchenbakterien)
    • Bakterien dringen in Wurzelhaar ein und wandeln sich dort um zum Bacteriod
    • dient zur Stickstofffixierung
    • dabei bietet die Leguminose organische Verbindungen und Energie, die Bakterie stellt Ammonium aus Luftstickstoff bereit (= Symbiose)
    • damit ist die Leguminose unabhängig von anderen Stickstoffquellen ? Vorteil auf stickstoffarmen Böden

  26. Reaktion, die von Nitrogenase katalysiert wird

    N2-Fixierung
    8 H+ + 8 e- + N2 → 2 NH3 + 2 H2

  27. Je 2 chemotrophe und 2 chemolithotrophe Bakterien

    • chemotrophe: Pseudomonas, Clostridien, Bacillus licheniformes, Sulfatreduzenten
    • chemolithotrophe: Nitrobacter, Nitrosomas, Thiobacilli, Th. denitrificans, Th. ferrooxidans, methanogene Bakterien

  28. 10 Makroelemente und 10 Spurenelemente

    für das Bakterienwachstum benötigt:
    Makroelemente: C, H, O, N, S, P, K, Mg, Ca, Fe, Na
    Spurenelemente: Co, Cu, Mn, Mo, Ni, Se, W, V, Zn, (Fe)

  29. Extremozyme und deren Anwendung

    • Sind Enzyme extremophiler Organismen, sind für unter extremen Bedingungen ablaufende Prozesse geeignet
    • Produktion erfolgt meist in rekombinanten mesophilen MOs
    • sind Enzyme die unter extremen Bedingungen aktiv bleiben, z.B.: Temperatur, pH und Salz-Konzentration
    • Anwendungsgebiet: bei der PCR (DNA-Polymerasen: Thermus aquaticus)
    • überstehen bei PCR die stattfindenden Erhitzungsschritte in aktiver Form
    • andere Anwendungsgebiete die denkbar wären: Lebensmittelindustrie, Herstellung künstlicher Enzyme, die bei Prozessen unter extremen Bedingungen Reaktionen katalysieren

  30. Sind Viren Zellen? 3 Merkmale von Zellen

      Nein!
    • kein eigener Stoffwechsel
    • keine selbstständige Vermehrung (nur in Verbindung mit Wirtszelle möglich)
    • enthalten entweder DNA oder RNA
    • besitzen keine Kompartimente

      Merkmale von Zellen:
    • kleinste Lebensfähige Einheit
    • besitzen Membranen oder Zellwände
    • enthält Kompartimente (Proteine, Lipide)
    • besitzt subzelluläre Strukturen (Nukleotid)

  31. AS-Funktion in der Zellwand?

    • kleine Gruppe von AS verbindet die Peptidoglycanketten durch Quervernetzung
    • die AS-Brücken bestimmen die Stärke und Starrheit der Zellwand
    • Bsp. L-Alanin, D-Glutaminsäure

  32. Funktion der Aminosäuren im Peptidoglycan?

      Exkurs: Peptidogykan oder Murein sind Zellwandkomponenten, die für die Festigkeit sorgen und der Zelle ihre Form geben
    • sie sind ein makromolekulares Heteropolymer, das aus Zuckerderivaten und Peptiden besteht
    • es besteht aus folgenden Zuckern: L-Alanin, D-Alanin, D-Glutaminsäure, Lysin oder Diaminopimelinsäure, die sogenannte Glycanketten bilden
    • diese Glycanketten werden über Peptidquervernetzungen aus Aminosäuren verbunden → Stärke der Peptidoglycan-Struktur

  33. Warum ist AS Cystein wichtig für Proteinstruktur/Zellwandstruktur?

      Bildung von Dislufidbrücken (-S-S-) zwischen den Aminosäuren
    • Befinden sich die Cysteinreste in unterschiedlichen Polypeptidketten eines Proteins, so verbinden sich die 2 Moleküle miteinander.
    • Faltung eines Polypeptids ? kovalente, intramolekulare Verbindung.


  34. Nennen sie 3 chemische Klassen von kompatiblen gelösten Substanzen, die von Mikroorganismen gebildet werden!

    kompatible gelöste Substanzen = Osmoprotektanzien
    kompatibel = vertragbar, d.h. nicht hemmend und nicht reagierend mit Proteinen oder anderen Zellkomponenten

    • dienen der Regulation der cytoplasmatischen Wasseraktivität
    • ihrer Bildung bzw. die Aufnahme aus dem umgebenden Medium unterliegt komplexen Regulationsprozessen
    • Osmoprotektanzien sind: Zucker (z.B. Trehalose) oder Zuckeralkohole (wie Glycerin oder Mannit), Aminosäuren (z.B. Glycinbetain, Prolin, Ectoin), Anorganische Ionen,
    • sog. osmophile/osmotolerante Mikroorganismen nehmen Osmoprotektanzien auf
    • Osmophile/Osmotolerante sind: Saccharomyces rouxii (auf Honig), einige Penicillium- und Aspergillus-Arten (auf Marmelade)

  35. Mit welchen Argumenten würden Sie jemanden überzeugen, dass Bakterien mehr sind als nur Krankheitserreger?

    • Erste Lebensformen auf der Erde waren Bakterien (Ururur...Vorfahren)
    • Produzenten der ersten Biomasse und Sauerstoff für die Entstehung des „modernen“ Lebens
    • Nur wenige pathogen
    • Landwirtschaft: Stickstofffixierung, Nährstoffkreisläufe, Viehwirtschaft (→ Bakterien im Pansen)
    • Lebensmittel: Lebensmittelkonservierung, Lebensmittelfermentation, Lebensmittelzusätze
    • Krankheiten: (neue Krankheiten identifizieren), Behandlung und Heilung (Bsp. Antibiotika), Krankheitsvorsorge
    • Energie/Umwelt: Biobrennstoffe (Methan und Ethanol), Biol. Sanierung (? Beseitigung von Umweltverschmutzungen), Bergbau mit MOs
    • Biotechnologie: gentechnisch veränderte Organismen, Produktion von Arzneimitteln, Gentherapie für best. Krankheiten, Enzyme für Pharma- und Textilindustrie, (Proteasen → Zusätze für Waschmittel, Amylasen → Produktion von Süßstoff)
    • Frau Saubermann: Abbau von z.T. toxischer Substanzen, Funktion als Reduzenten von totem organischem Material

Obwohl alle Antworten nach bestem Wissen ausgearbeitet wurden, können sich doch immer mal wieder Fehler einschleichen. Ich übernehme daher keine Garantie für Richtigkeit und Vollständigkeit. Falls also Fehler gefunden werden, wäre ich über eine kurze Mitteilung sehr dankbar.

 

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                        letzte Aktualisierung: 28.11.2006

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